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Junirot im Fluchwald

Im Juni lockt ein rotäugiges Wesen mich tiefer in den verfluchten Wald am Rand der Kleinstadt. Zwischen Mondritualen, alten Bindungen und zweifelhaften Bündnissen gerät mein Blick auf Schuld, Begehren und den Preis von Menschlichkeit.

Language: German

Story preview

Im Juni riecht der Fluchwald nach nasser Erde, Holunder und etwas Süßlichem, das nicht in die Jahreszeit passt. Als ich in der Dämmerung den letzten Brief aus dem Briefkasten des Pfarrhauses ziehe, sitzt es schon auf dem Stein am Ortsrand: klein, rund, rot wie frisches Fleisch, mit glänzenden Augen und zwei kralligen Füßen. Ein Schwanzstummel zuckt über den Flechten. Es sieht aus wie ein Kind, das jemand aus einem Albtraum geknetet hat. „Schon wieder du“, murmele ich, obwohl ich es erst gestern zum ersten Mal gesehen habe. Das Wesen blinzelt, kippt den Kopf und hüpft vom Stein. Einmal, zweimal, dann bleibt es stehen und blickt zurück, als erw...